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Umbau Elisabethenkrankenhaus: Kreistag stimmt Konzept zu

Mit der Freigabe der Vorplanung durch den Ravensburger Kreistag hat der Umbau des Ravensburger Elisabethenkrankenhauses ein weiteres wichtiges Etappenziel genommen. 59 der anwesenden 65 Kreisräte gaben in der gestrigen Sitzung mit ihrem Ja grünes Licht für den ersten von zwei Bauabschnitten, mit denen das größte Krankenhaus der Region komplett modernisiert werden soll. Rund 180 Mio. Euro kostet nach heutigem Stand das mit einer Laufzeit von insgesamt 8 Jahren nicht nur finanziell, sondern auch bautechnisch größte Projekt in der Geschichte des Landkreises.

Im Frühjahr 2010 soll nun der erste Spatenstich für den 1. Bauabschnitt mit einem neuen Bettenhaus für 288 Allgemeinpflegebetten erfolgen, wie Landrat Kurt Widmaier bei der gestrigen Pressekonferenz bekannt gab. Bereits in rund einem Jahr, nämlich im Herbst 2009, will der Landkreis mit dem Bau eines Notfallgebäudes den räumlich beengten Verhältnissen in der Notaufnahme ein Ende bereiten. Während der gesamten Projektlaufzeit bis zum Jahr 2016 werden dort nicht nur die Notaufnahme, sondern auch die beiden Intensivstationen untergebracht sein, so dass die „derzeit unfriedigenden Verhältnisse“ in diesem Bereich nach Einschätzung von Geschäftsführerin Dr. Elizabeth Harrison „bald der Vergangenheit angehören werden“.

„Alles andere als leicht“ gemacht haben es sich nach den Worten des Landrats Kreistag und Kreisverwaltung mit ihrer Entscheidung. Dahinter steht nach seinen Worten ein „glasklares Bekenntnis“ zur Krankenhausversorgung in kommunaler Hand. Nur so ist nach seiner Überzeugung eine flächendeckende und qualitativ hochwertige medizinische Versorgung in einem so großen Landkreis „dauerhaft und zuverlässig gesichert“. Der Ravensburger Landrat erteilt damit jedem Verkauf der Krankenhäuser eine klare Abfuhr. Solche Privatisierungen bedeuten aus seiner Sicht zwar auf den ersten Blick „weniger Ärger und Kosten“ für den Landkreis, die Rechnung zahle aber langfristig gesehen der kranke Bürger. Langfristig gesehen werde aber auch der Kreis wieder in die Pflicht genommen, da er gesetzlich zur so genannten Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung verpflichtet ist. Ein privater Krankenhausbetreiber werde nämlich mitnichten an allen bisherigen Krankenhausstandorten so festhalten wie dies das OSK-Konzept vorsieht und zudem auch das bisherige Spektrum der angebotenen medizinischen Leistungen aus Kostengründen ausdünnen, ist sich der Landrat „absolut sicher“. Wie wertvoll den Landkreis dieses Bekenntnis zu seinen Krankenhäusern in Bad Waldsee, Wangen, Isny, Leutkirch und Ravensburg kommt, steht ebenfalls fest: Auf rund 180 Mio. Euro veranschlagen der Landrat und seine Baufachleute aus heutiger Sicht das „in jeder Hinsicht gewaltigste“ Bauvorhaben des Landkreises in dessen 35-jähriger Geschichte.

Für Landrat Widmaier ist der im vergangenen November mit großer Mehrheit vom Kreistag gefasste Grundsatzbeschluss für den Umbau ebenso wie die gestern beschlossene Freigabe der Vorplanung „der logische und konsequente nächste Schritt“ nach dem Erwerb der Krankenhausimmobilie im März 2005. Seinerzeit hatte der Landkreis Ravensburg den in seinem Kern 100 Jahre alten Baukomplex von den Klosterschwestern von Reute für rund 20 Mio. Euro erworben, im Wissen, „eine Jahrhundertaufgabe“ übernommen zu haben, wie Widmaier bei der Pressekonferenz betonte. Dass die Gebäude grundlegend erneuert werden müssen, war nämlich schon damals bekannt. Erst recht dringend wurde die Sanierung nicht nur wegen der desolaten Zustände in den Patientenzimmern, sondern auch wegen der zahlreichen organisatorischen Störfaktoren wie den viel zu langen Wege, die Personal und Patienten in dem immer wieder mit neuen An- und Umbauten ergänzten Baukomplex bis dato zurücklegen müssen. „Baulich größtenteils marode und organisatorisch eine Katastrophe“, lautete denn auch die Einschätzung der vom Kreis beauftragten Baufachleute.

Bei dem ein Ende bereiten will der im vergangenen Herbst als Sieger aus einem Architektenwettbewerb hervorgegangene Entwurf des Stuttgarter Architektenbüros Arcass, der auf dem bisherigen Areal ein quaderförmig angelegtes „Krankenhaus der kurzen Wege“ mit künftig 470 Planbetten vorsieht.

Bis zur endgültigen Fertigstellung im Jahr 2016 soll nach dem Willen von Landrat und Kreistag der Abbruch der alten Gebäudeteile und die Neubaumaßnahmen den Bedürfnissen des Krankenhausbetriebes und der Patienten „so optimal wie möglich“ angepasst werden, um auch in Zukunft der stetig wachsenden Anzahl von Patienten gerecht zu werden. Konkret bedeutet diese Vorgehensweise, dass beispielsweise nicht alle Abrissarbeiten zeit- und kostensparend in einem Zug durchgeführt werden, sondern jeweils erst dann erfolgen, wenn der entsprechende Neubau erstellt ist. So soll in einem ersten Bauabschnitt das so genannte Bettenhaus neu errichtet werden, daran anschließend wird dann das Schwesternhochhaus abgerissen und die nicht für den Abriss vorgesehenen Gebäudeteile des Funktions- und Behandlungsbaus saniert.

Ähnlich aufwendig gestaltet sich nach den Worten des Landrats auch die finanzielle Seite des Jahrhundertvorhabens. Die jetzt im Rahmen der Vorplanung erstellte Kostenschätzung kommt auf Gesamtkosten von 180 Mio. Euro; dazu kommen bei der Oberschwaben Klinik gGmbH als Betreibergesellschaft nochmals rund 10, 4 Mio. Euro für die Neuanschaffung notwendiger Geräte und Ausstattungsgegenstände. Begründet wird dieser Anstieg der Kosten um rund 17 Prozent gegenüber den im November 2007 genannten Kosten von der Kreisbehörde unter anderem damit, dass - ursprünglich für das separat in Weingarten zu erstellende Logistikzentrum vorgesehene - Bereiche nun wieder ins EK zurückverlagert werden, was aber wiederum beim Bau des Logistikzentrums für Kosteneinsparungen sorge werde. Erstmals enthalten seien in den nun genannten Kosten auch die Aufwendungen für die Herstellung des Notfallgebäudes. Als weiteren „Kostentreiber“ sieht der Landrat nicht zuletzt auch die Konjunktur, die seit dem Start des Projektes für eine deutliche Steigerung der Baupreise gesorgt habe und zudem auch künftig noch weitere Kostensteigerungen befürchten lasse. Hochgerechnet auf die gesamte Laufzeit bedeute beispielsweise alleine eine jährliche Inflationsrate von 3 Prozent eine Steigerung der Kosten um 23 Mio. Euro.

108 Mio. davon hat nun der Kreistag mit seinem gestrigen Beschluss angesetzt, so dass wie geplant der Neubau eines Bettenhauses in Angriff genommen werden kann, in dem künftig alle Patienten in Ein- und Zweibettzimmern untergebracht sein werden. Vorgesehen ist der erste Spatenstich für das neue Bettenhaus für das Frühjahr 2010; der Einzug der Patienten ist für Sommer 2012 geplant.

Mit dem Umzug der Patienten in das neue Bettenhaus wird nach den Worten von Landrat Widmaier dann auch der Weg frei für den in einem zweiten Bauabschnitt vorgesehenen Abbruch der alten Bettenhäuser „Mitte“ und „Ost“. Die beiden ältesten Bauteile des EK aus dem Jahr 1901 und deren Erweiterung aus den 30er Jahren müssen dem Neubau eines Gebäudes für Intensivversorgung sowie einem neuen Mutter-Kind-Zentrum weichen. In das neue Gebäude für Intensivversorgung sollen dann die Notaufnahme, zwei Intensivstationen, eine Überwachungsstation sowie die Zentralverwaltung der OSK umziehen. Mit der Fertigstellung des Mutter-Kind-Zentrums wird dann auch die Kinderklinik vom nebenan gelegenen Haus St. Nikolaus in das EK selbst umziehen. Anschließen soll sich dieser zweite Bauabschnitt, zu dem auch der Abbruch des Bettenhauses „West“ und eine neue Liegendkrankenanfahrt gehören, nahtlos an den ersten Bauabschnitt und bis zum Sommer 2016 abgeschlossen sein.

Nach dem Willen von Kreistag und Kreisverwaltung soll das neue Krankenhaus aber nicht nur besonders patienten- und mitarbeiterfreundlich, sondern vor allem auch umwelttechnisch auf dem neuesten Stand sein. Ein ganz besonderes Augenmerk galt den Kreisräten deshalb vor allem der künftigen Energieversorgung mit regenerativen Energieformen wie der Nutzung der Geothermie.

Bis aber Erdwärme die Patientenzimmer und OP-Säle des neuen EK beheizen, ist es aus Sicht von Landrat Widmaier vordringlichste Aufgabe der Kreisverwaltung, dafür zu sorgen, dass der Landkreis „finanziell nicht alleine gelassen“ wird. Widmaier sieht hier das Land in der Pflicht, sich der kreisübergreifenden Bedeutung des EK als so genanntes Haus der Zentralversorgung entsprechend zu beteiligen. Einen Antrag auf einen entsprechenden Investitionskostenzuschuss habe man deshalb bereits beizeiten vorbereitet, angesichts der Projektgröße rechnet Widmaier mit einer Entscheidung des Landes aber nicht vor dem Frühjahr 2009.

„Alles in allem“ sieht Landrat Kurt Widmaier das Projekt mit der nun abgeschlossenen Vorplanung und dem OSK-Konzept einer dauerhaft flächendeckenden und modernen medizinischen Versorgung in dem Verbund von „Flaggschiff EK“ und den Krankenhäusern in Wangen sowie den sich zu Gesundheitszentren entwickelnden Häusern in Isny, Leutkirch und Bad Waldsee auf ein „solides Fundament“ gestellt. Der Blick über die Landkreisgrenzen hinaus zeige, dass der Kreistag im vergangenen November die richtigen Weichenstellungen vorgenommen habe. Er sieht in diesem Zusammenhang die Entscheidung des Kreistags für die Neustrukturierung des Krankenhauses St. Elisabeth am bisherigen Standort als Grundvoraussetzung für eine zügige Realisierung so wie auch die Aufteilung in zwei Bauabschnitte Spielräume in der Anpassungsfähigkeit des Projekts an den stetig voranschreitenden medizinischen Fortschritt eröffne. Nicht zuletzt werde dadurch auch die Finanzierung für das Land und den Landkreis überschaubarer.