Oberschwabenklinik
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Ethikbeirat

Ein Ethikbeirat hilft in schwierigen Fragen

Sowohl den Patienten und deren Angehörigen als auch den Ärzten und den Pflegekräften steht am Krankenhaus St. Elisabeth künftig ein Ethikbeirat zur Seite. Der aus zwölf bis 15 Mitgliedern bestehende Beirat wird sich nicht nur um ethische Leitlinien kümmern, sondern auch bei schwierigen Fragen am Krankenbett beratend mitwirken.Neigt sich ein Leben dem Ende zu, stehen die Ärzte, aber auch die Angehörigen der Patienten oft vor extrem schwierigen Entscheidungen. „Sterben in Würde ist ein hochsensibler Bereich“, sagt Pfarrer Hermann Dippon, der evangelische Krankenhausseelsorger. Es geht nicht allein darum, ein Gerät abzuschalten oder nicht. Das ist die Entscheidung über Leben und Tod, über weitere Leiden oder über eine Erlösung davon. Fragen stellen sich, für die es allzu oft keine allgemeine Richtschnur gibt. Auch nicht, wenn Patientenverfügungen existieren. „Patientenverfügungen sind oft sehr allgemein gehalten“, sagt Dr. Ulrike Korth, in der Intensivmedizin erfahrene Oberärztin. „Wir fragen uns oft: Was hat der Patient gemeint?“

Ein Ethikkonsil soll künftig am EK in solchen Grenzfällen helfen. „Es geht nicht um eine Bevormundung der Ärzte. Es geht um ihre Entlastung und um Hilfe, zu qualifizierten Entscheidungen zu gelangen“, betont Pfarrer Dippon. Die letzte Entscheidung und die Verantwortung liegen immer beim Arzt. Niemand kann sie ihm abnehmen.  Sowohl Patienten und Angehörige als auch Ärzte und Pflegekräfte können eine solche Beratung beantragen. Zwei Moderatoren, die aus dem Kreis des Ethikbeirates kommen, nehmen sich des Falles an und entscheiden, ob sich der Beirat damit beschäftigt. Wenn ja, dann kümmert sich eine fünfköpfige Gruppe darum. Und zwar nicht abstrakt, sondern am Krankenbett. Die Gruppe fertigt von ihren Beratungen ein Protokoll an, das sie den Ärzten übermittelt.

Wie oft ein solches Ethikkonsil notwendig ist, wird sich weisen. Für das EK ist es Neuland. Die Spannbreite an Kliniken, die bereits einen Ethikbeirat berufen haben, ist groß. Sie reicht von einer Beratung im Quartal bis hin zu zwei bis drei pro Woche. Als „geordnete Kommunikation“ beschreibt der katholische Krankenhausseelsorger Pfarrer Udo Hermann die Diskussion in einem Ethikkonsil. Oft erfahren Seelsorger am Krankenbett anderes als der Arzt. Verschiedene Informationen und Blickwinkel fließen so in eine Empfehlung ein. Dabei muss es nicht nur das Lebensende gehen. Ein Thema kann zum Beispiel auch die Schmerztherapie sein.

Die Arbeit im Ethikbeirat umfasst nicht allein die Beratung in konkreten Fällen. Eine „Ethikwerkstatt“ kümmert sich um Leitlinien und Definitionen zu ethischen Fragen. Zwar gibt es seit 2005 Richtlinien der Bundesärztekammer, wo die Trennlinien zwischen verbotener aktiver Sterbehilfe und eventuell erlaubter passiver oder indirekter Sterbehilfe verlaufen. Doch es besteht darüber hinaus Bedarf an Handreichungen. Ein Projekt der Ethikwerkstatt wird die Sterbebegleitung sein. Das Ethikforum, das dritte große Arbeitsfeld des Beirats, wird sich um Fortbildungen kümmern und auch darum, die Themen innerhalb der Klinik wie  auch außerhalb zu kommunizieren.

Die Geschäftsführung der Oberschwaben Klinik begrüßt einen Ethikbeirat am EK, hat seine Einrichtung aber nicht selbst angeordnet. Die Idee ist von unten heraus gewachsen. Darauf sind die Mitglieder der Vorbereitungsgruppe stolz. Den Anstoß haben die Seelsorger gegeben. „Der Bedarf ist von allen Berufsgruppen gesehen worden“, erzählt Dr. Ulrike Korth. Der Vorbereitungskreis wurde immer größer, es gab viele Anregungen. Um juristische Ratgeber will sich die Gruppe noch bemühen. Bei allem steht eines im Vordergrund. „Im Sinne der Patienten die richtige Entscheidung treffen!“

 

Weitere Informationen

Download des Flyers Ethikkonsil

 
Organisationsteam: Udo Hermann, Dr. Ulrich Gaensslen, Josefine Wölfle, Dr. Ulrike Korth, Edgar Metzler
Moderatorenteam/Konsil: Ernst Olbricht, Regina Raaf, Doris Kraus, Dr. Roman Schmucker, Hermann Dippon