Oberschwabenklinik
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Wann empfiehlt man eine Chemotherapie?

1. Nach der Operation (sog. Adjuvante Chemotherapie)

Die Durchführung einer Chemotherapie wird Ihnen empfohlen, wenn in der Untersuchung des Operationspräparats  tumorbefallene Lymphknoten nachgewiesen werden konnten.
Trotz kompletter Tumorentfernung besteht in diesen Fällen die Möglichkeit, dass nicht alle Krebszellen durch die Operation entfernt wurden. Der Tumor hat möglicherweise bereits im Verborgenen gestreut. In diesem Fall haben große internationale Untersuchungen gezeigt, dass eine zusätzliche vorbeugende (man spricht von einer „adjuvanten“) Chemotherapie das Rückfallrisiko deutlich senkt. Es existieren auch andere, spezielle Situationen, in denen man Ihnen eine vorbeugende Chemotherapie empfiehlt. Liegen solche Befunde vor, wird man mit Ihnen die Vor- und Nachteile einer Chemotherapie diskutieren und gemeinsam eine Entscheidung treffen. Die Dauer einer adjuvanten Chemotherapie beträgt ein halbes Jahr.

2. Vor der Operation (sog. Neoadjuvante Chemotherapie)

Bei lokal fortgeschrittenen Enddarmtumoren im mittleren und unteren Enddarmdrittel führt man in der Regel bereits vor der geplanten Operation eine sogenannte „neoadjuvante“ Behandlung durch. Diese umfasst die Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung des Tumors (Radiochemotherapie). Ziel ist es in diesen Fällen, die Wahrscheinlichkeit des erneuten Tumorauftretens nach erfolgreicher Operation zu senken. Dies konnte in internationalen Studien nachgewiesen werden. Für die neoadjuvante Behandlung des lokal fortgeschrittenen Enddarmkrebses existiert auch die Möglichkeit der reinen Bestrahlung vor einer Operation, ohne Chemotherapie. Welches Schema in Ihrem Fall das Beste ist, sollten Sie mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.

3. Palliative Chemotherapie

Die sogenannte „palliative“ Chemotherapie kommt zum Einsatz, wenn sich bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet haben, beispielsweise in der Leber oder der Lunge. Ziel der Chemotherapie ist hier die Verbesserung der Lebensqualität und die Lebensverlängerung. In bestimmten Fällen können Metastasen durch eine Chemotherapie so eingeschmolzen werden, dass sie chirurgisch entfernbar werden. Dies ist zum Beispiel bei Leber und Lungenmetastasen möglich.

 

Wie erfolgt eine Chemotherapie?

Bei einer systemische Therapie werden die Medikamente über den Blutkreislauf im ganzen Körper verteilt und erfassen neben den sichtbaren auch die im Röntgen oder bei der Operation nicht sichtbaren Krebszellen.
Neben der „klassischen“ Chemotherapie, den Zytostatika kommen heute Therapien zum Einsatz, die mittels biologisch aktiver Substanzen den Tumor gezielt bekämpfen. Dazu zählen beispielsweise monoklonale Antikörper und molekulare Therapien, die die Unterbrechung der für den Tumor wichtigen Signalwege bewirken.
Die Behandlung erfolgt durch ein speziell hierfür ausgebildetes Team aus Arzt (Onkologe) und Pflegekräften.
Die Auswahl der zur Verfügung stehenden Medikamente hängt sowohl vom Stadium der Erkrankung als auch von Begleiterkrankungen und dem Allgemeinzustand des Patienten ab. Sie werden dabei überwiegend kombiniert in sogenannten Schemata angewendet (z. B. FOLFOX-Schema), können aber auch einzeln eingesetzt werden (Monotherapie). Prinzipiell ist die Chemotherapie ambulant durchführbar, sofern nicht gesundheitliche Gründe einen stationären Aufenthalt erforderlich machen. Die Verabreichung der Zytostatika erfolgt in der Regel über die Vene (intravenös). Der Einbau eines venösen Portkatheters unterhalb des Schlüsselbeins ist hierfür generell von Vorteil und für den Patienten angenehmer, bei Therapien, die als Dauerinfusion verabreicht werden sogar notwendig. Lediglich Capecitabin wird als Tablette eingenommen.

 

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Das Wirkprinzip der Chemotherapie ist die Zerstörung von Zellen, die sich schnell teilen. Neben den Krebszellen werden daher auch gesunde Gewebe in ihrer Zellvermehrung beeinträchtigt. Daraus können - müssen aber nicht - unterschiedliche Nebenwirkungen resultieren. Das Knochenmark, das weiße und rote Blutkörperchen sowie Blutplättchen bildet, reagiert besonders empfindlich, sodass es im Laufe der Therapie zu Blutarmut und einer Schwächung des Immunsystems kommen kann. Aus diesem Grund wird die Blutzusammensetzung (Blutbild) regelmäßig kontrolliert. Dabei kommt den weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die der Infektionsabwehr dienen, eine besondere Bedeutung zu. So kann es vorkommen, dass die Therapie bei zu niedrigen Leukozytenwerten bis zur Erholung des Blutbilds unterbrochen werden muss. Eine weitere mögliche Nebenwirkung sind Übelkeit und Erbrechen. Jedoch können durch die vorsorgliche Infusion sogenannter Antiemetika (Medikamente gegen Übelkeit), die vor jeder Chemotherapie gegeben werden, Übelkeit und Erbrechen wirksam unterdrückt werden. Des Weiteren können Appetitlosigkeit, Geschmacksstörungen und Durchfälle auftreten.
Nach Abschluss der Therapie verschwinden die Nebenwirkungen wieder. Eine von vielen Patienten befürchtete Nebenwirkung stellt Haarausfall dar; bei den gegen Darmkrebs eingesetzten Medikamentenkombinationen ist jedoch kein vollständiger Haarausfall zu erwarten. Auf alle Fälle wachsen die Haare nach Ende der Behandlung wieder nach. Die oben erwähnten Antikörper sind im Allgemeinen gut verträglich. Da es sich um Eiweiße handelt, sind allergische Reaktionen möglich. Während Cetuximab zu akneförmigem Hautausschlag führen kann, ist bei Bevacizumab auf Blutungen und Thrombosen sowie auf Bluthochdruck zu achten.