Operationsvorbereitung
Am Tag vor der Operation (Aufnahmetag) wird der Darm komplett durch Trinken einer sogenannten Darmspüllösung gereinigt. Es müssen drei bis vier Liter dieser Lösung getrunken werden. Die Reinigung ist abgeschlossen, wenn die die Absonderungen aus dem After keine festen Bestandteile mehr enthalten und die Farbe von Kamillentee haben. Danach sollten Sie keine feste Nahrung oder gefärbte Getränke mehr zu sich nehmen. Um Ihren Ernährungszustand trotzdem durch Kalorienzufuhr optimal für die Operation vorzubereiten und Ihnen das Hungergefühl zu nehmen, erhalten Sie während und nach den Abführmaßnahmen ein spezielles Zuckergemisch (Maltodextrin) zu trinken.
Operationsarten
Entfernung des rechtsseitigen Dickdarms (Hemikolektomie rechts)
Liegt der Tumor im rechten Dickdarm, wird der aufsteigende Dickdarmanteil mit einem kurzen Teil des unteren Dünndarms (Ileum) bis über die rechte Dickdarmbiegung (rechte Kolonflexur) entfernt. Dies ist notwendig, da die Blutgefäße und das Lymphabflussgebiet mit entfernt werden müssen, um eine Streuung des Tumors zu verhindern. Damit ist die Durchblutung des betreffenden Darmabschnitts nicht mehr gewährleistet, so dass auch bei einem kleinen Tumor ein relativ großes Darmstück entnommen werden muss. Sie haben dadurch keine Nachteile, da die Aufgabe der Resorption schnell von den verbleibenden Darmanteilen übernommen wird.
Zusätzlich wird der am Dickdarm anhängende Anteil des großen Netzes, einer Fettschürze im Bauchraum, entfernt. Dies hat für Sie keinerlei Konsequenzen. Bei dieser Operation wird automatisch auch der Wurmfortsatz entfernt, der für die umgangssprachlich als „Blinddarmentzündung“ bekannte Erkrankung verantwortlich ist.
Nach dieser Operation kann es durch den Wegfall der Klappe (Bauhin`sche Klappe, Ileocoecalklappe – befindet sich zwischen Dünn- und Dickdarm), die den Durchgang des dünnflüssigen Dünndarminhalts regelt, zu Durchfällen kommen, da der Dünndarminhalt jetzt kontinuierlich in den Dickdarm transportiert wird und dadurch Gallensäuren in den Dickdarm gelangen.
Entfernung des absteigenden Dickdarms (Hemicolektomie links)
Bei einer Tumorlokalisation im absteigenden Teil des Dickdarms wird analog der oben beschriebenen Hemikolektomie rechts eine Hemikolektomie links durchgeführt. Um das gesamte Abflussgebiet des Tumors zu entfernen, muss die linke Biegung und ein Teil des s-förmigen Dickdarms entfernt werden.
Bei der Hemikolektomie links kann es wegen der nachbarschaftlichen Lage zu einer Verletzung der Milz kommen. Ist die Blutung nicht zu stillen, muss die Milz entfernt werden. Sie haben dadurch keine Nachteile. Die einzige Konsequenz besteht darin, dass in diesem Fall eine Impfung gegen Bakterien, die bei fehlender Milz vom Körper schlechter abgewehrt werden können, empfohlen wird.
Entfernung des querliegenden Dickdarms (Transversumresektion)
Liegt der Tumor in der Mitte des querliegenden Dickdarmteils, wird der querliegende Dickdarm zusammen mit der rechten und linken Biegung entnommen. Auch dies ist auf Grund der radikalen Entfernung der Blut- und Lymphgefäße zur Verhinderung einer Tumorstreuung nötig. Ebenfalls wird das anhängende große Netz entfernt, was für Sie keine Konsequenzen mit sich bringt.
Liegt der Tumor nahe einer der Biegungen (Flexuren) muss im Sinne der anatomischen Gegebenheiten durch die Blutversorgung und da der Tumor im Gebiet zweier verschiedener Lymphabflussgebiete liegt, im Hinblick auf die Radikalität (vollständige Entfernung des gesamten Abflussgebietes des Tumors zur Verhinderung einer Streuung von Tumorzellen) eine erweiterte Hemikolektomie links oder rechts je nach Lage des Tumors durchgeführt werden. Dabei wird zusätzlich zu dem Darmteil, der bei der Hemikolektomie der jeweiligen Seite entfernt wird, ein größerer Teil des querverlaufenden Darmes entnommen.
Entfernung des s-förmigen Dickdarms (Sigmaresektion)
Befindet sich der Tumor im s-förmigen Anteil des Dickdarms ("Sigma"), wird dieser Teil mit einem kleinen Teil des absteigenden Dickdarms und des oberen Teil des Enddarms entfernt. Hierbei kann es zu einer Verletzung des Harnleiters kommen, der anatomisch genau hinter dem Sigma verläuft. Sollte dies passieren, wird der Defekt vernäht und der Harnleiter vorübergehend mit einem Katheter geschient.
Operationstechnik
Der Zugangsweg zu den oben genannten Operationen erfolgt in der Regel durch eine mediane Längsschnittlaparatomie mit Umschneidung des Nabels, so dass dieser erhalten werden kann. Hierbei wird der Bauch von unterhalb des Brustbeins bis oberhalb der Schambein eröffnet. In der Tumorchirurgie ist es wichtig, einen guten Überblick zu haben, dass die Grenzen der Lymphabflussgebiete genau wahrgenommen werden können und somit die beste Chance besteht, dass sie vollständig entfernt werden können. Diese Eingriffe können auch minimalinvasiv laparoskopisch (Schlüssellochmethode) durchgeführt werden. Der einzige bewiesene Vorteil der Schlüssellochmethode ist lediglich ein besseres kosmetisches Ergebnis.
Nach der Inspektion des Bauchraumes und sorgfältiger Palpation der Organe der Bauchhöhle (insbesondere der Leber) wird der betroffene Darmanteil (s.o.) entfernt. Zur Wiederherstellung der Darmpassage werden die beiden verbliebenen Darmenden je nach anatomischen Gegebenheiten meist durch eine „End-zu-End-Anastomose“ vereinigt. Dies kann in Handnahttechnik oder aber mit Klammernahtgeräten erfolgen. Die Titanklammern werden nicht wieder entfernt und werden von der Darmschleimhaut so überwachsen, dass sie keinerlei Probleme bereiten.
Bei der Sigmaresektion wird ein Teil des Klammernahtgeräts über den After eingeführt, während das Kopfteil des Gerätes in den Darm, der angeschlossen werden soll, eingeknotet wird. Diese Art der Anastomosierung nennt sich zirkuläres Staplerverfahren. Die Auslösung des Gerätes bewirkt eine dreifache, zirkuläre Klammernaht.
In Ausnahmefällen wird vorübergehend für einige Wochen ein künstlicher Darmausgang angelegt, um die Darmnaht zu entlasten und eine ungestörte Heilung zu ermöglichen. Es wird dann ein Dünndarmausgang (Ileostoma) angelegt, weil dieses problemlos in einem kleinen Eingriff nach Abheilung der Dickdarmnaht rückverlegt werden kann (siehe Seite Stomatherapie).
Nachdem die Darmnaht erfolgt ist, wird das Bauchfell und die Muskelschicht mit resorbierbarem Nahtmaterial genäht. Die Haut wird üblicherweise mit Klammern verschlossen, die wieder entfernt werden müssen.